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Rezension: Ted Hughes: Prometheus auf seinem Felsen

Cover: PrometheusTed Hughes: Prometheus auf seinem Felsen.
Gedichte, Deutsch / Englisch
Mit einem Bilderzyklus von Eva Clemens
Übertragung & Nachwort von Jutta Kaussen
Frankfurt, Insel, 2002
ISBN: 3-458-19230-1

Mit Prometheus auf seinem Felsen ist dem Insel Verlag eine sehr schöne Edition gelungen. Neben den 21 deutsch und englisch abgedruckten Gedichten reproduziert der Band einen 13 Bilder umfassenden Prometheus-Zyklus von Eva Clemens, der mit den Gedichten in einen Dialog tritt.

Ted Hughes' Prometheus on His Crag steht in engem Zusammenhang mit Peter Brooks Theaterexperiment »Orghast« von 1970/71 (aufgeführt beim 5. Shiraz-Festival in Persepolis, Iran), für das Hughes den Text und dramatische Übungen schrieb. In einer neuen Sprache gleichen Namens kodierte er damals eine Handlung, deren Stränge durch eine Version des Prometheus-Mythos zusammengehalten wurden. Das Stück mischte, wie es so oft bei ihm der Fall ist, Elemente verschiedener Mythen, Legenden und Volksmärchen. Dabei rückte der menschliche Konflikt zwischen Freiheit und Gefangensein, Schicksal und Selbstbestimmung, das Gefangensein in elementaren menschlichen Lebenswidersprüchen und Lösungsversuche derselben ins Zentrum der dramatischen Handlung.

Hughes' Prometheus-Gedichte sind direktes Ergebnis dieser thematischen Auseinandersetzung. Sie beginnen, als Prometheus schon an seinem Felsen hängt, seine Strafe lebt. Er hat die Menschen erschaffen, ihnen das Feuer gebracht und sich in eine folgenschwere Auseinandersetzung mit Zeus begeben. Der rächt sich und verbannt ihn: angekettet auf einem Felsen wird er von einem Adler - bei Hughes einem Geier - heimgesucht, der seine sich immer wieder erneuernde Leber frißt.

Doch noch etwas anderes scheint an Prometheus zu zehren: seine eigenen Gedanken quälen ihn, sein inneres Gefangensein in einem Dilemma. Er ist weder ganz Mensch, noch ganz Gottheit, hängt zwischen Himmel und Erde, ist innerlich zerissen, eine Wunde. Die Erlösung bahnt sich erst an, als er beginnt, den Geier zu verstehen.

Jutta Kaußen gelingt es, die von Hughes beschriebenen Konflikte und Sprachbilder adäquat ins Deutsche zu bringen. Sie trifft einen sehr angenehmen, den Originalen angemessenen Ton und hält ihn durch den ganzen Band hindurch. So ermöglich sie eine spannende Lektüre, bei der die Übersetzung als solche nicht vordergündig wird. In einem Nachwort geht sie auf den mythischen Kontext der Gedichte ein, bringt wertvolle Anmerkungen und Verweise.

Ähnlich gelungen ist die Einbindung von Eva Clemens' ausdrucksstarken Bildern. Sie drängen sich nicht auf und sind gleichzeitig keineswegs pure Illustrationen. Besonders glücklich ist hierbei die Entscheidung, Bild und Text nie direkt gegenüberzustellen, so daß beide Medien jeweils in einem eigenen ›Seitenraum‹ exisitieren und auch getrennt ›gelesen‹ werden können. Zusätzlich wurden mehrere Anmerkungen zu ihren Bildern am Ende des Buches aufgenommen.

Prometheus on His Crag ist seit langem vergriffen, so daß der Band auch für Leser im englischsprachigen Ausland relevant sein dürfte. Die Gedichte erschienen erstmal 1973 in einer limitierten Auflage von nur etwa 160 Exemplaren und wurden (mit Ausnahme dreier Texte) einige Jahre später in die Sammlung Moortown (1979/83) aufgenommen, von der es jedoch keine Neuauflage gab.

Bleibt noch zu bemerken, daß es im Zusammenhang mit Prometheus auf seinem Felsen im September 2002 eine Ausstellung am Deutschen Hochstift in Frankfurt am Main geben wird, bei der Goethes und Hughes' Prometheus-Gedichte und Eva Clemens' Bilder eine zentrale Rolle spielen werden.

Claas Kazzer

 

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